Erkrankungen
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Genitale Infektionen gehören zu den häufigsten zu behandelnden Erkrankungen der Frau. In der Schwangerschaft betreffen diese nicht nur die Mutter, sondern können auch das Kind gefährden. Risiken ergeben sich aus einer möglichen Auslösung eines Aborts, einer Frühgeburt meistens im Zusammenhang mit vorzeitiger Wehentätigkeit oder einem vorzeitigen Blasensprung. Eine Infektion mit bestimmten Erregern kann darüber hinaus zur kongenitalen Infektion des Neugeborenen führen. Wir behandeln im Folgenden häufig auftretende Infektionen in der Schwangerschaft.
Besonderheiten einer Therapie in der Schwangerschaft
Die hier beschriebenen Infektionen sollten in der Schwangerschaft behandelt werden, auch wenn die Patientin keine Symptome hat.
Bei einer Chlamydia trachomatis Infektion gilt ein gehäuftes Auftreten von vorzeitigem Blasensprung, Chorioamnionitis, Frühgeburt, niedrigem Geburtsgewicht und eine damit erhöhte perinatale Morbidität und Mortalität als gesichert. Daher wird seit 1995 ein generelles Screening in der Frühschwangerschaft und bei Nachweis von Chlamydien eine antibiotische Therapie durchgeführt. Die Mitbehandlung des Partners ist obligat.
Falls am Ende der Schwangerschaft eine unerkannte/unbehandelte Infektion mit Chlamydia trachomatis vorliegt, kommt es infolge der Infektion der Cervix uteri zur Übertragung auf das Kind: Bei bis zu 50 % der Fälle tritt eine Einschlusskörperchenkonjunktivitis und bei knapp 20 % eine atypische Pneumonie auf. Otitis media und Infektionen des Nasopharynx werden ebenfalls beobachtet. Bei der Mutter kann diese Infektion im Wochenbett zu einer Endometritis führen.
Auch die bakterielle Vaginose erhöht in der Schwangerschaft über eine aszendierende Infektion das Risiko für einen vorzeitigen Blasensprung, eine vorzeitige Wehentätigkeit und eine Frühgeburt. Außerdem tritt häufiger Fieber unter und nach der Entbindung auf. Daher sollte möglichst früh in der Schwangerschaft ein Nativ-Präparat beurteilt und, falls eine bakterielle Vaginose festgestellt wird, eine antibiotische Therapie durchgeführt werden. Dies gilt in besonderem Maße, wenn die Schwangere bereits eine Frühgeburt hatte.
Durch Gruppe B Streptokokken (GBS) ausgelöste genitale Infektionen sind besonders gefürchtet, da sie zur Neugeborenensepsis und zu anderen postnatalen Erkrankungen führen können. Bei der Mutter bleibt die Infektion meistens symptomlos, sodass empfohlen wird, etwa zwischen Schwangerschaftswoche 35 und 37 einen vaginalen Abstrich mikrobiologisch untersuchen zu lassen. Sollte dieses Screening positiv sein, ist eine subpartale Antibiotikaprophylaxe anzuraten. Diese sollte ebenfalls erfolgen, wenn die Frau bereits ein Kind mit GBS-Infektion geboren hat oder während der bestehenden Schwangerschaft eine Bakteriurie mit Gruppe B Streptokokken nachgewiesen wurde. Falls der Gruppe B Streptokokken Status zum Zeitpunkt der Entbindung unbekannt ist, ist eine Prophylaxe anzuraten, wenn einer der folgenden Risikofaktoren vorhanden ist: drohende Frühgeburt, mütterliches Fieber ab 38°C oder Zustand nach Blasensprung vor mindestens 18 Stunden. Nach derzeitiger Kenntnis kann unabhängig von den drei oben genannten Risikofaktoren auf eine Antibiotikaprophylaxe verzichtet werden, wenn das Gruppe B Streptokokken-Screening innerhalb von fünf Wochen vor der Entbindung negativ war.
Eine Candida-Infektion per se scheint nicht zu einem erhöhten Frühgeburtsrisiko zu führen. Die vaginale Behandlung mit Clotrimazol kann jedoch zur Senkung der Frühgeburtenrate beitragen, indem bestimmte Anaerobier dadurch mitbehandelt werden. Eine vaginale Hefepilzkolonisation am Ende der Schwangerschaft führt in einem hohen Prozentsatz zur Mund- oder Anogenitalkandidose auch des gesunden und reifen Neugeborenen. Besonders gefährdet sind Frühgeborene.
Eine primäre Infektion mit dem Herpes simplex Virus Typ 2 (Herpes genitalis) in Terminnähe birgt Gefahren für Mutter und Kind. Bei einer Primärinfektion werden nach Spontangeburt etwa 50% der Neugeborenen mit dem Herpes simplex Virus infiziert. Da die neonatale Infektion mit einer hohen Morbidität und Mortalität verbunden ist (ca. 60% der infizierten Neugeborenen versterben), sollte sowohl bei einer nachgewiesenen mütterlichen Primärinfektion als auch bei einem symptomatischen rezidivierenden Herpes genitalis eine systemische antivirale Therapie erfolgen. Bei einem aktiven Herpes genitalis zum Geburtstermin sollte die Entbindung durch Sectio caesarea erwogen werden.
Mittel der Wahl
Eine Chlamydia trachomatis-Infektion sollte mit mit Erythromycin oder anderen Makrolidantibiotika behandelt werden. Außerhalb der Schwangerschaft ist Doxycyclin Mittel der ersten Wahl, das auch zur Behandlung des Partners verwendet wird.
Die bakterielle Vaginose sollte in der Schwangerschaft systemisch mit Metronidazol oder lokal mit Clindamycin therapiert werden. Auch zur Behandlung einer Trichomoniasis gilt die systemische Gabe von Metronidazol als Therapie der Wahl.
Die subpartale Antibiotikaprophylaxe bei einer Gruppe B Streptokokken-Infektion erfolgt mit Penicillin G (Mittel der Wahl), alternativ kann sie mit Ampicillin i.v., Cefazolin i.v. und bei bestehender Penicillin/Cefalosporin-Allergie mit Clindamycin i.v. durchgeführt werden.
Bei einer Vaginalmykose sind in der Schwangerschaft Nystatin und Clotrimazol Mittel der Wahl.
Die Primärinfektion mit Herpes simplex Typ2 sowie der rezidivierende symptomatische Herpes genitalis sollte systemisch mit Aciclovir behandelt werden.
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