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Influenza: Embryonaltoxikologie Berlin setzt Impf-Surveillance und Beratung für Schwangere 2010/11 fort


In Deutschland wurde im Herbst 2009 erstmals eine Grippeimpfung in der Schwangerschaft explizit empfohlen. Daher hatte das Paul-Ehrlich-Institut eine begleitende Überwachung zur Verträglichkeit der Influenzaimpfstoffe in der Schwangerschaft angeregt. Im Rahmen dieses bundesweiten Projekts wird allen Schwangeren auch in der Grippesaison 2010/11 angeboten, sich im Berliner Pharmakovigilanzzentrum für Embryonaltoxikologie registrieren zu lassen. Gleichzeitig wird eine umfassende Beratung offeriert, auch zu anderen Medikamenten und deren Risiken. Die Beratung ist unabhängig von der Teilnahme am Überwachungsprojekt. Wenn die Schwangere an der Nachbeobachtung teilnehmen möchte, wird sie mit ihrer Zustimmung sechs Wochen nach Erstkontakt und zwei Monate nach dem errechneten Geburtstermin mit einem Fragebogen vom Institut für Embryonaltoxikologie in Berlin angeschrieben, damit der weitere Verlauf der Schwangerschaft protokolliert werden kann. Das Studienprotokoll berücksichtigt datenschutzrechtliche Vorschriften und erhielt das Votum der zuständigen Ethikkommission.
Schwangere, die geimpft wurden oder Fragen zur Impfung haben, sollten sich telefonisch (030-30308111) oder per Internet an das Institut für Embryonaltoxikologie in Berlin wenden. Für den Erstkontakt per Internet gibt es auch einen (Online-)Fragebogen. Behandelnde und impfende Ärztinnen und Ärzte können ebenfalls mit der Embryonaltoxikologie Kontakt aufnehmen.
Das Berliner Institut für Embryonaltoxikologie arbeitet unabhängig von pharmazeutischen Herstellern und wird durch das Bundesministerium für Gesundheit gefördert. Es führt Aufgaben aus, die im Arzneimittelgesetz festgelegt sind. Die im Rahmen des Impf-Projekts erhobenen Daten werden ausschließlich zur individuellen Beratung und, in anonymisierter Form, zur wissenschaftlichen Auswertung im Institut für Embryonaltoxikologie verwendet.

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Die Impfung


Es gibt Hinweise darauf, dass Schwangere im 3. Trimenon ein erhöhtes Risiko haben, nach einer Infektion mit dem Influenzavirus einen schwereren Krankheitsverlauf zu entwickeln. Daher empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) in Übereinstimmung mit dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) und Robert Koch-Institut (RKI) auch in dieser Saison, Schwangere im 2. und 3. Trimenon gegen Influenza zu impfen, wenn ein erhöhtes Risiko durch chronische Erkrankungen vorliegt, auch schon im 1. Trimenon.
In der Grippesaison 2010 werden fast ausschließlich sogenannte trivalente Spalt-Impfstoffe ohne Adjuvantien angeboten, die u.a. gegen den A-H1N1 2009-Virus gerichtet sind. Bisher gibt es zu keinem Grippeimpfstoff Hinweise auf eine Schädigung des Feten nach Anwendung in der Schwangerschaft. Eine Impfung in der Stillzeit erfordert keine Stillpause.

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Individuelle Beratung und Impfprotokoll


Wie bei allen Medikamenten in der Schwangerschaft ist man auch bei der Impfung auf Beobachtungsdaten nach Markteinführung angewiesen, da systematische Studien zur Verträglichkeit bei Schwangeren u.a. aus ethischen Gründen nicht durchgeführt werden. Das Besondere an der jetzigen Surveillance ist, dass diese systematisch mit prospektiver Vorgehensweise und öffentlicher Bewerbung durchgeführt wird und nicht auf sporadische Berichterstattung (mit üblicherweise geringer Fallzahl) vertraut – wie das sonst bei Spontanerfassungen üblich ist.

Alle Ärztinnen und Ärzte sollten Schwangeren, die sich impfen lassen oder Fragen zur Impfung haben, raten, sich telefonisch oder per Internetfragebogen an das Institut für Embryonaltoxikologie in Berlin zu wenden. Dafür gibt es einen (Online-)Fragebogen. Behandelnde und impfende Ärztinnen und Ärzte können ebenfalls telefonisch oder per Internetfragebogen mit der Embryonaltoxikologie Kontakt aufnehmen.

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Prophylaxe und Therapie der Influenza


In der vergangenen Grippesaison gab es in Deutschland keine Hinweise auf einen besonders aggressiven Verlauf der Influenza A-H1N1 2009. Im Vergleich dazu fordert die jährliche „normale“ Grippewelle nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts im Durchschnitt bis zu 15.000 Todesfälle - überwiegend bei älteren Patienten und solchen mit erheblichen Vorerkrankungen. Prophylaktisch werden vor allem hygienische Maßnahmen, wie ausreichendes Händewaschen und Kontaktvermeidung mit offensichtlich erkrankten Menschen empfohlen. Dies gilt selbstverständlich auch für Schwangere. Bei einer Grippe-Infektion in der Schwangerschaft wird eine Schädigung des Feten durch den Virus nicht angenommen. Da lang anhaltendes hohes Fieber - über 24 h anhaltend und über 39 Grad - möglicherweise das Risiko für Entwicklungsstörungen beim Ungeborenen erhöhen kann, sollte entsprechend hohes Fieber z.B. mit Paracetamol gesenkt werden. Eine Behandlung mit Virustatika, wie z.B. Oseltamivir und Zanamivir, muss im Einzelfall geprüft werden. Die Erfahrungen zur Anwendung in der Schwangerschaft erlauben für beide Medikamente noch keine genaue Bewertung ihrer Sicherheit, daher ist ein unkritischer „prophylaktischer“ Gebrauch nicht zu empfehlen. Bei tatsächlich vorliegender Behandlungsindikation erscheint jedoch die Anwendung von Oseltamivir oder Zanamivir in der Schwangerschaft akzeptabel. In der Stillzeit ist der Übergang von Oseltamivir in die Muttermilch nach bisherigen Erfahrungen sehr gering, zu Zanamivir liegen noch keine Daten vor. Eine Stillpause ist nicht erforderlich.

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