Wirkstoffe

Auswahlliste

Erläuterung zur "Ampel"

Stand: 07/2008

Morphin

Produktnamen:
  • Capros ®
  • Kapanol ®
  • M-Long ®
  • M Beta ®
  • Morphanton ®
  • MSI ®
  • MSR ®
  • MST ®
  • Oramorph ®
  • Painbreak ®
  • Sevredol ®
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Morphin ist das Haupt-Alkaloid aus Opium (Schlafmohn, Papaver somniferum). Es kann oral, intravenös, intramuskulär, epidural, intrathekal, transdermal und rectal appliziert werden. Morphin wirkt sedierend und antitussiv, besitzt ein starkes Abhängigkeitspotenzial und ist plazentagängig.

Indikation: Bei starken und stärksten Schmerzen.

Erfahrungen in der Schwangerschaft

Erfahrungsumfang: MITTEL

1. Trimenon: Es gibt zwar kaum systematische Untersuchungen zur Anwendung im 1. Trimenon, aber auch keine Hinweise auf Teratogenität bei diesem alten Arzneimittel.

2.-3. Trimenon / Perinatal: Morphin kann bei langfristiger Anwendung eine Konstriktion der plazentaren Gefäße verursachen. Nach Gabe der Substanz im 3. Trimenon wurde über eine Verminderung der fetalen Atembewegungen berichtet. Unter der Geburt verabreicht kann Morphin zur Atemdepression beim Neugeborenen führen.

Kinder Morphin-abhängiger Frauen können in den Tagen und Wochen nach der Geburt eine schwere Entzugssymptomatik entwickeln, die mit Krampfanfällen einhergehen- und ohne adäquate Behandlung letal verlaufen kann. Nach erfolgreicher Therapie sind bleibende Defekte nach derzeitigem Wissensstand nicht zu erwarten. Jedoch scheint der plötzliche Kindstod (SIDS) bei pränatal Opiat exponierten Kindern häufiger aufzutreten. Morphin-(Opiat-) Abusus in der Schwangerschaft kann auch Verhaltensauffälligkeiten beim Kind begünstigen. Ein akuter Opiat-Entzug während der Schwangerschaft kann zu intrauterinem Fruchttod oder vorzeitigen Wehen führen und sollte daher vermieden werden.

Empfehlungen zur Schwangerschaft

Planung einer Therapie oder Planung einer Schwangerschaft unter Therapie: Bei strenger Indikationsstellung kann Morphin in der Schwangerschaft verwendet werden.

Konsequenzen nach Anwendung in der Schwangerschaft: Ein akuter Opiatentzug ist in der Schwangerschaft möglichst zu vermeiden. Bei Verabreichung von Morphin kurz vor der Entbindung muss mit einer Atemdepression, bei länger dauernder Anwendung oder Abusus auch mit schweren Entzugserscheinungen beim Neugeborenen gerechnet werden. In diesen Fällen sollte die Entbindung in einem perinatologischen Zentrum erfolgen.

Besser erprobte Alternativen: Schmerzmittel der ersten Wahl sind Paracetamol (ggf. mit Codein) oder bis Woche 30 Ibuprofen. Von den zentral wirksamen Analgetika kommen auch Tramadol oder Buprenorphin in Betracht.

Stillzeit

Pharmakokinetik: HWZ: 1,7-4,5 h, Neugeborene: 13,9 h; Proteinbindung: 35%; molare Masse: 285; relative Dosis: 10,7%; M/P-Quotient: 1,1-3,6; orale Bioverfügbarkeit: 26%. Bei einem asymptomatischen Kind, dessen Mutter längerfristig 20 mg/d Morphin täglich bekam, wurden Plasmawerte im analgetischen Bereich gemessen. 

Klinik: Aufgrund der geringen oralen Bioverfügbarkeit von Morphin erscheint es unwahrscheinlich, dass via Muttermilch größere Mengen zum Kind gelangen. Bisher wurde nicht über schwerwiegende Nebenwirkungen bei gestillten Kindern berichtet.

Empfehlung: Opioidanalgetika sollten in der Stillzeit möglichst nur kurzzeitig angewendet werden. Wegen des atemdepressiven Potentials ist bei Kindern mit Apnoeneigung besondere Vorsicht geboten. Morphin gehört neben Codein (in Kombination mit Paracetamol oder Acetylsalicylsäure) und Fentanyl je nach Indikation zu den Opioidanalgetika der Wahl für die Stillzeit.

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