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Stand: 11/2009

Hypertonie

Synomyme oder assoziierte Erkrankungen:

  • Bluthochdruck

Eine arterielle Hypertonie tritt bei etwa jeder 10. Schwangeren auf. Generell unterscheidet man in der Schwangerschaft folgende Hochdruckerkrankungen:

  • Chronische Hypertonie (mit oder ohne Proteinurie), die vor, während oder nach der Schwangerschaft diagnostiziert wird (ca. 3% aller Schwangerschaften).
  • Präeklampsie, Eklampsie: Proteinurie (›300 mg/24h) und neu aufgetretene Hypertonie (fakultativ: Ödeme), (etwa 5-8% aller Schwangerschaften).
  • Pfropfgestose: Präeklampsie bei Schwangeren mit chronischer Hypertonie. Eine Pfopfgestose tritt bei etwa 20-25% der Schwangeren mit chronischer Hypertonie auf.
  • Schwangerschaftshochdruck: eine nach 20 Schwangerschaftswochen entstehende Hypertonie ohne Proteinurie, die sich spätestens 12 Wochen nach der Entbindung zurückbildet. Ein Schwangerschaftshochdruck tritt bei ca. 6% aller Schwangerschaften auf. In Abhängigkeit von weiteren Risikofaktoren entwickelt sich bei 15%-45% dieser Schwangeren eine Präeklampsie.

Besonderheiten einer Therapie in der Schwangerschaft

Trotz vielfältiger Untersuchungen und Erfahrungen gibt es nach wie vor keine einheitlichen Empfehlungen für die Behandlung schwangerer Frauen. Dies betrifft sowohl die Frage, ab wann therapiert werden soll als auch die Medikation. Unbestritten ist jedoch, dass sich die Auswahl antihypertensiver Medikamente von einer Behandlung außerhalb der Schwangerschaft unterscheidet. Dennoch sind systematische kontrollierte Studien mit großen Fallzahlen und Exposition im 1. Trimenon für die meisten Antihypertensiva nicht vorhanden.

Ein Blutdruckwert von 140/90 mmHg gilt als Grenzwert für eine Hypertonie in der Schwangerschaft. Patientinnen haben ein niedriges Risiko, wenn die Werte im Grenzbereich liegen, keine Auffälligkeiten bei der körperlichen Untersuchung bieten, ein normales EKG und Echokardiogramm aufweisen und keine Proteinurie besteht. Eine antihypertensive Therapie von Schwangeren mit Blutdruckwerten bis 160/110 mmHg stellt keinen Vorteil für den Schwangerschaftsverlauf und das Befinden der Mutter dar, so dass eine medikamentöse Behandlung in der Regel nicht indiziert ist. Die größten Risiken für Mutter und Kind bestehen bei einer schweren Hypertonie und einer Präeklampsie. Die Blutdruckerhöhungen bei der Präeklampsie treten nach aktuellem Kenntnisstand sekundär aufgrund einer Plazentaperfusionsstörung auf, so dass die Behandlung des Hypertonus die schwerwiegenden Folgen der Präeklampsie nicht verringern oder vermeiden kann.

Zu Beginn jeder parenteralen, aber auch oralen antihypertensiven Medikation kann eine abrupte Blutdrucksenkung auftreten,  die zu einer akuten Verschlechterung der uteroplazentaren Perfusion und zu schwerwiegenden Folgen für den Feten führen kann.

ACE-Hemmer und Angiotensin-II-Rezeptorantagonisten sind in der Schwangerschaft, insbesondere jedoch im 2. und 3. Trimenon kontraindiziert bzw. schweren nicht anders zu behandelnden Erkrankungen vorenthalten. Falls möglich sollten Diuretika aufgrund der potentiellen Beeinträchtigung der uteroplazentaren Perfusion durch zusätzliche Plasmavolumenreduktion durch andere Medikamente ersetzt werden.

Mittel der Wahl

Alpha-Methyldopa ist eines der ältesten Antihypertensiva, das auch in der Schwangerschaft für Mutter und Ungeborenes gut verträglich und daher als Langzeitantihypertensivum Mittel der ersten Wahl ist. Metoprolol kommt auch infrage. Dihydralazin/Hydralazin und Nifedipin können als Mittel der zweiten Wahl eingesetzt werden.  Bei den Mutter und Fetus mehr gefährdenden Präeklampsie-bedingten Hochdruckformen haben sich Dihydralazin, Nifedipin und Urapidil bewährt, wobei Dihydralazin i.v. verabreicht zu erheblichen Nebenwirkungen bei der Mutter und zu Komplikationen beim Kind, z.B. durch vorzeitige Plazentalösung führen kann. Auch ß-Rezeptorenblocker können gegeben werden, von denen das in Deutschland nicht zur Verfügung stehende Labetalol am besten untersucht ist. 

Zur Therapie einer schweren Präeklampsie, insbesondere mit zentralnervösen Symptomen, und einer Eklampsie wird Magnesiumsulfat intravenös eingesetzt. Bei gleichzeitiger Gabe von i.v. Magnesiumsulfat und Nifedipin wurde in Einzelfällen von schweren hypotensiven Reaktionen der Mutter mit fetaler Hypoxie und Bradykardie oder einer neuromuskulären Blockade berichtet. Die einzige kausale Therapie bei der Präeklampsie stellt die Entbindung dar.

Hinweis

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