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Diabetes mellitus ist der Sammelbegriff für heterogene Störungen des Stoffwechsels mit dem Leitsymptom einer chronischen Hyperglykämie. Im Wesentlichen unterscheidet man drei Typen: Während der Typ 1 Diabetes auf einer gestörten Insulinsekretion beruht, sind der Typ 2 und der Gestationsdiabetes (GDM) durch eine gestörte Insulinwirkung gekennzeichnet. Es können aber auch beide Ursachen gleichzeitig vorkommen.
Besonderheiten einer Therapie in der Schwangerschaft
Etwa 0,8% der Schwangeren leiden unter einem präexistenten Diabetes. Der Anteil der Typ 2 Diabetikerinnen zeigt eine ansteigende Tendenz. Das Wichtigste bei der diabetischen Frau mit Kinderwunsch bzw. bei einer Schwangeren mit Diabetes mellitus ist eine normoglykämische Stoffwechsellage vor und während der gesamten Gravidität. Dabei sind besonders die postprandialen Werte für die fetale Prognose bedeutsam. Frauen mit einem Typ 2 Diabetes mellitus haben darüberhinaus häufig weitere Riskofaktoren, z.B. eine Adipositas, eine chronische Hypertonie sowie andere asymptomatische vaskuläre Begleiterkrankungen.
Abhängig von der perikonzeptionellen Stoffwechseleinstellung haben Schwangere mit Diabetes ein erhöhtes Risiko für Spontanaborte und eine erhöhte Fehlbildungsrate. Dies gilt gleichermaßen für die Typ 1 und Typ 2 Diabetikerin. Daher verwundert es nicht, dass die Fehlbildungsrate in geplanten Schwangerschaften niedriger als in ungeplanten ist. Schon 3 Monate präkonzeptionell ist ein HBA1c-Wert von <7%, besser noch <6,5% anzustreben .
Bei Diabetikerinnen mit Kinderwunsch sollte also der Stoffwechsel optimiert und zur Einnahme von Folsäure geraten werden. Die Entwicklung des Kindes sollte dann mittels sonographischer Feindiagnostik kontrolliert - und der HbA1c-Wert nach Feststellung der Schwangerschaft alle 4-6 Wochen bestimmt werden und im Referenzbereich für Gesunde liegen. Bei Diabetikerinnen treten vermehrt uteroplazentare Versorgungsprobleme mit daraus resultierenden Erkrankungen, wie z.B. einer Präeklampsie, auf. Auch ist die Frühgeburtenrate deutlich erhöht. Die perinatale Morbidität des Säuglings korreliert mit den mütterlichen Blutzuckerwerten.
Die derzeit optimale Medikation für Diabetikerinnen in der Schwangerschaft, aber auch schon bei deren Planung, ist die Insulintherapie, die dann laufend an die wechselnden Stoffwechselveränderungen im Schwangerschaftsverlauf angepasst werden muss. Am besten untersucht ist Humaninsulin. Eine bereits vor der Schwangerschaft gut auf die kurzwirksame Insulinanaloga Insulinlispro oder Insulinaspart eingestellte Frau mit Typ 1-Diabetes muss nicht wegen ihrer Schwangerschaft umgestellt werden. Zur Anwendung von Insulinglulisin in der Schwangerschaft liegen keine ausreichenden Erfahrungen vor. Langwirksame Insulinanaloga sollten derzeit möglichst schon präkonzeptionell auf humane Basalinsuline umgestellt werden. Bei einer Umstellung oder Neueinstellung einer Typ 2- Diabetikerin wird Humaninsulin als am besten erprobtes Insulin empfohlen.
Viele orale Antidiabetika sind unzureichend für die Schwangerschaft untersucht. Auch wenn bei den besser untersuchten Substanzen wie Glibenclamid oder Metformin bisher kein erhöhtes Fehlbildungsrisiko beschrieben ist, sollte die Therapie auf Humaninsulin umgestellt werden, da damit am ehesten eine optimale Stoffwechseleinstellung erreicht wird. Idealerweise sollte das schon präkonzeptionell geschehen.
Ein Gestationsdiabetes tritt bei bis zu 10% der Schwangeren auf. Unbehandelt führt er unter anderem zu einem erhöhten Risiko für Makrosomie beim Kind und zu Komplikationen unter der Geburt. Es liegen Hinweise vor, dass diese Kinder später ein höheres Risiko für Übergewicht und eine gestörte Glucosetoleranz haben. Wenn bei einer Schwangeren mit Gestationsdiabetes Diät und körperliche Betätigung nicht ausreichend sind, sollte mit Humaninsulin therapiert werden. Ob und ggf. für welche Schwangere mit Gestationsdiabetes Metformin oder Glibenclamid eine alternative Therapieoption darstellt, ist derzeit noch in Diskussion.
Diabetikerinnen sind Hochrisiko-Schwangere und bedürfen einer gemeinsamen Betreuung durch spezialisierte Diabetologen, Geburtsmediziner und Neonatologen in enger Kooperation mit Hebammen, Augenärzten und anderen Fachgebieten. Die Entbindung sollte in einer Geburtsklinik mit perinatalem Schwerpunkt erfolgen, bei insulinpflichtigen Diabetikerinnen möglichst in einem Perinatalzentrum.
Mittel der Wahl
Sollte eine medikamentöse Therapie notwendig sein, stellt Humaninsulin das Mittel der Wahl für alle Diabetes Erkrankungen dar. Eine schon vor der Schwangerschaft gut auf Insulinlispro oder Insulinaspart eingestellte Typ 1 Diabetikerin kann damit weiter behandelt werden. Orale Antidiabetika, sowie langwirksame Insulinanaloga sollten idealerweise schon vor der Schwangerschaft auf Humaninsulin umgestellt werden, spätestens jedoch nach Feststellung der Schwangerschaft.
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