Wirkstoffe
Auswahlliste
Amiodaron, ein Antiarrhythmikum der Klasse III, ist ein iodiertes Benzofuran und hat strukturelle Ähnlichkeiten mit Thyroxin und Procainamid. Die Wirkung beruht auf verschiedenen Mechanismen, unter anderem einer starken Blockierung der Kaliumkanäle. Seine extreme Löslichkeit in Fettgewebe bewirkt das außerordentlich hohe Verteilungsvolumen und ist auch für die lange und individuell sehr variable Halbwertszeit von 20 bis weit über 100 Tagen verantwortlich. Aufgrund der häufigen extrakardialen Nebenwirkungen bleibt der Einsatz anders nicht therapierbaren Rhythmusstörungen vorbehalten.
Indikation: Tachykarde supraventrikuläre Herzrhythmusstörungen, schwerwiegende symptomatische tachykarde ventrikuläre Herzrhythmusstörungen bei Patienten, bei denen andere Antiarrhythmika nicht ansprechen oder nicht angezeigt sind.
Erfahrungen in der Schwangerschaft
Erfahrungsumfang: GERING
1. Trimenon: Die Erfahrungen mit Amiodaron im 1. Trimenon sind auf einzelne Fallbeschreibungen mit etwa 20 exponierten Schwangerschaften begrenzt. Bei 2 Kindern wurden konnatale Auffälligkeiten beschrieben. Ein Kind hatte einen großen Ventrikelseptumdefekt, ein anderes wies einen Nystagmus auf. Eine kausale Assoziation lässt sich daraus nicht ableiten. Die Fallzahl ist zu gering, um das teratogene Risiko differenziert abzuschätzen bzw. Aussagen zur Sicherheit des Medikaments machen zu können.
2.-3. Trimenon / Perinatal: Folgende fetale Nebenwirkungen sind gehäuft aufgetreten: fetale Bradykardien sowie konnatale Hypothyreosen, ausgelöst durch den Jodanteil von 39%. Aufgrund von diskreten neuropsychologischen Auffälligkeiten bei hypo-, aber auch bei einigen euthyreoten Kindern wird ein direkter neurotoxischer Effekt von Amiodaron beim Feten diskutiert. Gelegentlich wurde eine QT-Verlängerung im EKG der Neugeborenen gesehen. Intrauterine Wachstumsretardierungen wurden beobachtet, wobei ungeklärt ist, welchen Anteil daran Amiodaron, die Begleitmedikation (meist β-Rezeptorenblocker) oder/und die Grunderkrankung hatte. Die meisten Kinder waren jedoch unauffällig. Über die Neonatalzeit hinaus untersuchte Kinder wiesen keine erkennbaren hypothyreosebedingten Funktionsdefizite auf.
Empfehlungen zur Schwangerschaft
Planung einer Therapie oder Planung einer Schwangerschaft unter Therapie: Die Therapie mit Amiodaron sollte lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen, die nicht auf andere Antiarrhythmika ansprechen, vorbehalten sein. Wenn eine fetale Exposition vermieden werden soll, müsste das Medikament aufgrund der langen Eliminationshalbwertszeit bereits einige Monate vor der Konzeption abgesetzt werden. Im Falle einer notwendigen Therapie nehmen Sie bitte mit uns Kontakt auf, um individuell das Risiko abzuschätzen und das weitere Vorgehen zu besprechen. Eine individuelle Beratung können Sie über den Online-Fragebogen anfordern. Sie können uns aber auch anrufen. Hier finden Sie Angaben zum Datenschutz. Die Beratung ist für Sie kostenlos.
Konsequenzen nach Anwendung in der Schwangerschaft: Wurde mit Amiodaron behandelt, sollte die Entwicklung des Feten mittels sonographischer Feindiagnostik kontrolliert und im weiteren Verlauf eine pränatale Strumaentwicklung per Ultraschall ausgeschlossen werden. Auf eine mögliche Hypothyreose beim Fetus und Neugeborenen ist zu achten. Per EKG sollte ggf. eine QT-Verlängerung ausgeschlossen werden. Im Falle einer Anwendung in der Schwangerschaft nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf, um individuell das Risiko abzuschätzen und das weitere Vorgehen zu besprechen! Eine individuelle Beratung können Sie über den Online-Fragebogen anfordern. Sie können uns aber auch anrufen. Hier finden Sie Angaben zum Datenschutz. Die Beratung ist für Sie kostenlos.
Besser erprobte Alternativen: Als Klasse-III-Antiarrhythmikum Sotalol.
Stillzeit
Pharmakokinetik: HWZ: 20-100 Tage; Proteinbindung: >96%; molare Masse: 645; relative Dosis: bis 51,5%; M/P-Quotient: 4,6-13; orale Bioverfügbarkeit: 22-86%. Im kindlichen Plasma bis zu 25% der mütterlichen Plasmakonzentration.
Klinik: Aufgrund der langen Halbwertszeit kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich bei längerdauernder Therapie der Mutter bei einem Säugling höhere Plasmaspiegel aufbauen, obwohl dies bisher nicht berichtet wurde. In einem Fall trat unter mütterlicher Therapie eine Hypothyreose bei dem gestillten Säugling auf.
Empfehlung: Als Klasse-III-Antiarrhythmikum sollte Sotalol dem iodhaltigen Amiodaron möglichst vorgezogen werden. Falls eine Therapie mit Amiodaron unvermeidbar ist oder eine Therapie mit Amiodaron bis zur Geburt des Kindes erfolgt ist, muss im Einzelfall über das weitere Vorgehen entschieden werden.
Wir brauchen Ihre Angaben und beraten Sie individuell
Da an Schwangeren grundsätzlich keine randomisierten Studien durchgeführt werden dürfen, beruhen Kenntnisse zur Sicherheit von Medikamenten und letztlich auch die Qualität dieser Internetseite auf der Auswertung von klinischen Erfahrungen.
Daher bitten wir Sie, wenn Sie diese Internetseite wegen einer konkreten Schwangerschaft lesen, uns Einzelheiten zu dieser Schwangerschaft einschließlich der verwendeten Medikamente mitzuteilen. Sie können dafür unseren Online-Fragebogen verwenden oder uns anrufen.
Auf diesem Wege können wir Sie auch individuell beraten, wenn Sie dies wünschen.
Hier finden Sie Angaben zum Datenschutz.
Die Beratung ist kostenlos.

