Wirkstoffe
Auswahlliste
Sehr gut wirksames Anxiolytikum, z.B. bei schweren Panikattacken. Wegen der guten angstlösenden Wirkung hohes Suchtpotential; deshalb in der Regel keine Dauermedikation. Andere Alternativen (z.B. Antidepressiva oder niederpotente Neuroleptika) ausschöpfen; bei Angststörungen immer auch Verhaltenstherapie in Betracht ziehen.
Indikation: Angststörungen
Erfahrungen in der Schwangerschaft
Erfahrungsumfang: HOCH (für Benzodiazepine als Gruppe)
1. Trimenon: Im Zusammenhang mit einer Benzodiazepin-Therapie im 1. Trimenon, die meisten Erfahrungen liegen zu Diazepam vor, wurde einerseits über Herzfehlbildungen, Lippen-/Gaumenspalten und komplexe andere Fehlbildungen diskutiert. In retrospektiven Fall-Kontroll-Untersuchungen wurden auch schwache, aber statistisch signifikante Assoziationen zwischen Benzodiazepinen und Lippen/Gaumenspalten, intestinalen Atresien und Mikrozephalie erörtert. Allerdings haben andere Studien mit insgesamt mehreren tausend im 1. Trimenon Benzodiazepin-exponierten Schwangeren keine teratogenen Effekte bestätigt. Speziell zu Alprazolam ergaben sich bislang keine ernsthaften Hinweise auf Teratogenität. Nach Überdosis in suizidaler Absicht bei 10 Frauen wurde ein Kind mit größeren Fehlbildungen (z.B. Gastroschisis) geboren.
2.-3. Trimenon / Perinatal: Bei regelmäßiger Einnahme im letzten Trimenon oder hochdosiert unter der Geburt sind schwerwiegende Symptome beim Neugeborenen möglich. Diese reichen von postpartaler Atemdepression über Anpassungsstörungen wie Muskelhypertonie, Hyperreflexie, Tremor bis zum wochenlang anhaltenden „Floppy-Infant-Syndrom“ mit Lethargie, Trinkschwäche, Tachypnoe, Tachykardie, Zyanose, Temperaturregulationsstörung und Muskelhypotonie. Neugeborene metabolisieren Benzodiazepine wesentlich langsamer als Erwachsene.
Empfehlungen zur Schwangerschaft
Planung einer Therapie oder Planung einer Schwangerschaft unter Therapie: Gabe nur nach strenger Indikationsstellung bei schwerer Angstsymptomatik. Benzodiazepine sollten, auch nach Ausschöpfung aller nichtmedikamentöser Behandlungsmöglichkeiten, immer nur kurzzeitig verordnet werden; keine Dauertherapie im letzten Trimenon wegen möglicher neonataler Komplikationen. Ggf. Möglichkeit des Einsatzes von schlafanstoßenden und angstlösenden Antidepressiva prüfen.
Konsequenzen nach Anwendung in der Schwangerschaft: Sonographische Feindiagnostik. Sorgfältige Schwangerschaftsüberwachung und engmaschige psychiatrische Kontakte, um rechtzeitig Krisen bei der Mutter und Entwicklungskomplikationen beim Feten (Frühgeburtsbestrebungen, Wachstumsretardierung) begegnen zu können. Bei Behandlung bis (kurz vor der) Geburt auf Symptome beim Kind in ersten Lebenstagen achten. (Cave: bei abruptem Absetzen nach längerer Einnahme bei Mutter und Kind Entzugssymptomatik möglich).
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Besser erprobte Alternativen: zur sedierenden und Angst- bzw. Spannungslösenden Akutbehandlung keine. Bei Angststörungen langfristig Behandlung mit Antidepressiva (z.B. SSRI) und Verhaltenstherapie vorziehen.
Stillzeit
Pharmakokinetik: HWZ: 12-15 h; Proteinbindung: 80%; molare Masse: 308; relative Dosis: 3-6,7%; keine Metaboliten in der Milch nachweisbar; M/P-Quotient: 0,4; orale Bioverfügbarkeit: 100%.
Klinik: Schläfrigkeit beim Säugling wurde in einem Fallbericht beschrieben. Trotz Fortsetzung des Stillens normalisierte sich das Kind.
Empfehlung: Stillen unter (kurzzeitiger) Monotherapie und moderater Dosierung bei guter Beobachtung des Kindes akzeptabel.
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